Verfasst von: Christoph Stroyer | Juni 20, 2007

Schiedsgutachten

Bei einem Schiedsgutachten überlassen die Beteiligten die Bestimmung einer bestimmten Leistung einem Dritten, in der Regel einem Sach­verständigen. Die Vereinbarung eines Schiedsgutachtens kommt nur bei solchen Auseinandersetzungen in Betracht, denen ein Streit über Tatsachen und nicht in erster Linie über Rechtsfragen zu Grunde liegt.[1] Zur alleinigen Bewältigung komplexerer Konflikte – die üblicherweise aus einer Gemengelage tatsächlicher und rechtlicher Meinungsverschiedenheiten bestehen – sind Schiedsgutachten nicht geeignet (wohl aber zur Abschichtung tatsächlicher Konflikte im Rahmen solcher Gemengelagen). Im Unterschied zur Mediation ist bei einem Schiedsgutachten nicht die Konfliktlösung das originäre Ziel. Es geht um die Klärung von Sachfragen, die sich einer verhandlungsorientierten Lösung entziehen. Das Schieds­gutachten kann aber als Grundlage für eine Mediationsverhandlung dienen.




[1] Wagner, NZBau 2001, 169 (170).

Verfasst von: Christoph Stroyer | Juni 19, 2007

Schiedsgerichtsverfahren

Das Schiedsgerichtsverfahren ist ein konventionelles und der gerichtlichen Entscheidung ähnliches alternatives Konfliktlösungsverfahren. Ein von den Parteien gewählter unabhängiger Dritter fungiert als Schiedsrichter und fällt auf der Grundlage der Verhandlungen zwischen den Parteien einen bindenden Schiedsspruch. Der wesentliche Unterschied zum Gerichts­verfahren besteht darin, dass statt eines staatlichen Gerichts auf Grund vertraglicher Vereinbarungen zwischen den Parteien ein nicht-staatliches Schiedsgericht den Konflikt entscheidet.[1] Die Parteien haben auf die Besetzung des Gerichts Einfluss (anders als in der staatlichen Gerichts­barkeit, bei der es den Grundsatz des gesetzlichen Richters gibt, den man sich nicht aussuchen kann.). Im Unterschied zum Mediationsverfahren wird der Konfliktfall beim Schiedsgerichtsverfahren an einen autoritär entscheidenden Dritten delegiert, anstatt den Konflikt eigenverantwortlich zu lösen.

Mehr zum Schiedsgericht bei Wikipedia.


[1] Wagner, NZBau 2001, 169.

Verfasst von: Christoph Stroyer | Juni 18, 2007

Schlichtung

Bei der Schlichtung versuchen die Konfliktparteien unter Anleitung eines neutralen Drittens eigenverantwortlich eine Lösung des Konflikts zu finden. Insoweit unterscheidet sich die Schlichtung nicht sehr von der Mediation. Damit enden jedoch die Gemeinsamkeiten: Anders als bei der Mediation versucht der Schlichter, die Beteiligten mit der ihm in der Regel durch besondere fachliche Kompetenz vermittelten Autorität aktiv zu einer Konfliktlösung zu bringen; die Verfahrensherrschaft liegt nicht bei den Konfliktparteien, sondern beim Schlichter.[1] Scheitern jedoch diese Bemühungen zur Schlichtung, unterbreitet der Schlichter den Parteien aufgrund der Verhandlungen zwischen den Parteien einen Schlichtungs­vorschlag. Im Gegensatz zum Schiedsgerichtsverfahren sind die Parteien an diesen Schlichtungsvorschlag aber nicht gebunden. Mehr zur Schlichtung findet sich bei Wikipedia.



[1] Wagner, NZBau 2001, 169 (170).

Verfasst von: Christoph Stroyer | Juni 18, 2007

Programm der Europäischen Mediationskonferenz

Das (vorläufige) Programm der Europäischen Mediationskonferenz  – siehe meinen früheren Beitrag – ist jetzt online und verspricht einiges:

Donnerstag 27.9. 2007        Zeit: 14:00 – 18:00 Pre – Conference im Lusthaus

 

Freitag 28.9. 2007                 Zeit: 10:00 – 12:00

                                     

                                    

 

 

Hauptreferate

 

 

                                                    Freitag 28.9. 14:00 – 16:00 PTB 1

  1. Stellenwert, Rolle und Funktion der Mediation in einer ´Welt des Rechtsstreits´
  2. Skills, Qualifications & Techniques – Identität des Wirtschaftsmediators
  3. Täter-Opfer-Ausgleichs-Modelle in Europa
  4. Mobbing am Arbeitsplatz: Konflikt hinter dem Konflikt
  5. Nachhaltige Umweltmediation: Doppelt gemoppelt – „conditio sine qua non“?
  6. Live – Familienmediation (Deutschland)
  7. Gewaltprävention und Konfliktlösung in der Schule
  8. Rituale in der Mediation
  9. Entwicklungen in der Zivil- und Wirtschaftsmediation in Mittel- und Osteuropa

Freitag 28.9. 16:00 – 18:00 PTB 2

  1. Kompatibilität der Standards und Normen in Europa
  2. 1) ´Corporate Social Responsibility´ & Mediation B 2) Co3 Conflict Cost Controlling®
  3. Täter-Opfer-Ausgleich auf dem Prüfstand
  4. Konstruktives Konfliktmanagement am Arbeitsplatz: Streit vs. Dialog
  5. Mediation in behördlichen Genehmigungsverfahren: Instrumentarium des Akzeptanzmanagements ?
  6. 1) Theorie der Familiensysteme und Mediation F 2) Live – Familienmediation (Skandinavien / SOE)
  7. School & Peer Mediation: Eine legitime Delegation der Konfliktbewältigung ?
  8. Bedeutung der Konfliktbereinigung durch Mediation auf das Wachstum bzw. Überleben von Familienunternehmen

Samstag 29.9. 9:00 – 10:30 PTB  3

  1. SonDERrmodell „Richter-Mediator“: Doppelantlitz des ´Richter-Mediators´
  2. Was nützt die beste Mediation, wenn keiner hingeht? – Bedeutung der Pre-Mediation!
  3. Kriminalitätsprävention durch Victim-Offender-Mediation
  4. Konstruktives Konfliktmanagement am Arbeitsplatz: Feindseligkeit vs. Verschiedenartigkeit !
  5. 1) Mediation im öffentlichen Bereich: eine trendige Methode zur subtilen Umleitung von Bürgerprotest ? 2) La médiation environnementale dans quelques pays d’Europe : rôles, méthodes et enjeux
  6. 1) Gemeinsame Obsorge- und Eltern-Kind-Kontaktvereinbarungen nach Scheidung: Verbindlichkeit – Nachhaltigkeit – Flexibilität und Anpassungsbedarf ! F 2) Live – Familienmediation (Frankreich)
  7. Bedeutung von Mediation im PISA–Ranking: „Integration“ durch Vermittlung sozialer Interaktion – eine lohnenswerte Aufgabe für die Schulmediation?
  8. Wie wirken traumatische Trennungen über die Generationen und warum werden wir MediatorInnen ?
  9. European Mediation Market Place

Samstag 29.9. 11:00 – 12:30 PTB 4

  1. Der Kompromiss als immanenter Widerspruch zum subjektiven Gerechtigkeitsempfinden?
  2. Mediation als Risiko-Management-Instrument im Banken- und Versicherungsbereich
  3. Die Bändigung von Gewalt in der Mediation
  4. `Unregelmäßigkeiten` im Unternehmen – Interne Mediation und Berufsethik?
  5. 1) VIE Airport Mediation: Wie verbindlich ist die erzielte Vereinbarung im behördlichen Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren ? E 2) Environmental mediation in some European countries : roles, methods and issues
  6. 1) Mediation im Rahmen internationaler Kindschaftskonflikte  F 2) Live – Familienmediation (UK)
  7. Mediation in Ungarischen Schulsystem
  8. Frauen und Mediation in Zeiten des Patriarchats
  9. Methodologie für erfolgreiche interkulturelle Mediationen: Soziale Identität und Mediation

Samstag 29.9. 14:00 – 15:30 PTB  5

  1. Charakteristika einer erfolgreichen Mediation
  2. Trendsetting in [Business] Mediation: Wirtschaftsmediation im europäischen Vergleich
  3. Aus Gewalt wird Ritual: ADR-Methoden statt Repression !
  4. Diskriminerung und andere Konflikte am Arbeitsplatz: Alternative Mediation?
  5. Interessenskonflikte in Infrastrukturprojekten
  6. 1) „Wie macht man es mit der Vermögensteilung, der Aufteilung der Kinder und wie schafft es dennoch, gemeinsam Weihnachten zu feiern ?“ F 2) Live – Familienmediation (Österreich)
  7. Veränderung des Hierarchie – Modells in der Schule durch Mediation ?
  8. Übungen aus der Kampfkunst Aikido für die Mediationspraxis
  9. The European Approach to peacemaking

Samstag 29.9. 16:00 – 18:00 PTB  6

  1. Vom Auftrag, vom Mut und von der Kunst der Vermittlung in sozialen, kulturell, politisch, religiös oder von Rassenkonflikten geprägten „Minenfeldern“
  2. Hybride Formen in internationalen Wirtschaftsstreitigkeiten – MedArb oder Arb Med
  3. Jugendgewalt in Europa: Herausforderung für Streitschlichter?
  4. Mediation am Arbeitsplatz & Organisationsmediation: Interne Mediation und Berufsethik?
  5. Effektivität von ProjektMediation – Deal Mediation – Partnering in Mega-Projekten
  6. 1) Erkenntnisse aus den Live-Familienmediationen: 10 Jahre Europaratsempfehlung zur Familienmediation  F 2) Kinder in Bedrängnis: Mediation in Pachwork Familien & Mediationsergänzendes Trainingsprogramm für Eltern nach Scheidung
  7. Erfolgsbedingungen von Gemeinwesenmediation
  8. Mediation 2.0 – Neuer Einfluss von Weblogs, Podcasts & Co. auf Mediation sowie e-mediation

Erläuterung zum Aufbau der Programm – Themenblöcke (PTB): (* Änderungen vorbehalten !)

A = Allgemeines
B
= Business Mediation
C
= Criminal Cases – Mediation of Criminal Cases (ATA / Victim-Offender-Mediation)
D =
Deviantes Konfliktverhalten am Arbeitsplatz
E =
Environmental Mediation – Umweltmediation
F =
Familien- und Scheidungsmediation
G =
Gemeinwesenmediation – Gewalt in der Schule: Peer- und Schulmediation
H =
Haltung des Mediators
I =
International (I 1, I 3) – Interkulturelle Mediation (I 4), Internationale Friedensmediation (I 5)

Anmelden kann man sich unter diesem Link. Tagungsbeitrag: 380 EUR bei Anmeldung bis zum 30. Juni 2007,

Verfasst von: Christoph Stroyer | Juni 17, 2007

Mediation und andere Formen der ADR

Neben der Mediation kennen die modernen Gesellschaften als konsensuale Formen der Streitbeilegung noch die Moderation, die Schlichtung und die Verhandlung. Nichtkonsensuale Formen der Streitbeilegung außerhalb der staatlichen Gerichtsbarkeit sind das Schiedsgerichtsverfahren. Hinzu kommen grundsätzlich verschiedene Mischformen, wie zum Beispiel „Med-Arb“ und „Mini-Trail“. In den folgenden Beiträgen sollen die verschiedenen Alternativen vor- und der Mediation gegenübergestellt werden. Begonnen wird mit der Moderation: Lies mehr…

Verfasst von: Christoph Stroyer | Juni 16, 2007

Conflict Resolution e-Journal

Eine neue Zeitschrift auf dem Gebiet der Alternativen Konfliktlösung ist online: Die in Australien erscheinende Zeitschrift Conflict Resolution e-Journal startete im Juni mit ihrer ersten Ausgabe, welche hier als PDF-Dokument erhältlich ist. Autoren der ersten Stunde sind Joan Ko mit einem Beitrag zur Mediation von Umweltkonflikten (The features of environmental conflicts and how these impact on their mediation), Rob Warner mit einem Beitrag über Konfliktmanagementsysteme (Performancemeasurement considerations for dispute system designers – what gets measured gets managed, what is managed can be improved), Ranee Cornell über Transformative Mediation (The transformative approach to family dissolution mediation and domestic ciolence in Australia) und schließlich Victoria Pynchon mit ihrem Beitrag The cost of a thing is the amount of life which is required to be exchanged for it: the subjective experience of money in the settlement of a wrongful burial practices case.

Verfasst von: Christoph Stroyer | Juni 15, 2007

In zwei Jahren über 1.000 Konfliktlösungen

Über die Bundeskonferenz Mediation in der Justiz wurde hier bereits berichtet. Es findet sich ein ausführlicher und sehr lesenswerter Bericht über die Konferenz im ADR-Blog. Jetzt meldet der WDR auf seinen Internetseiten unter Berufung auf die Bundeskonferenz, dass im Rahmen des Justizmodells in OWL in den vergangenen zwei Jahren allein an den Landgerichten Paderborn und Detmold mehr als 1.000 Verfahren einvernehmlich beendet wurden. Mich würde interessieren, ob sich diese beeindruckende Zahl auf tatsächliche Mediationsverfahren bezieht oder auch reguläre Gerichtsvergleiche mit einbezieht.

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Verfasst von: Christoph Stroyer | Juni 15, 2007

Schweizer Mediationsoffensive

Baustelle mit Spiegelung von Sebastiandorn auf www.pixelio.deIn der Schweiz steht der dritte und damit letzte Teil der großen Justizreform, die im Jahre 2000 beschlossen wurde, an. Die vorberatende Rechtskommission hat jetzt eine neue Zivilprozessordnung vorgelegt, die als gesamtschweizerische Ordnung anstelle der 26 unterschiedlichen kantonalen Gesetze das Zivilprozessrecht vereinheitlichen und vereinfachen soll.

In dem Gesetzesvorschlag ist insbesondere die Mediation als Alternative zumSchweizer Wappen von wikipedia.de Schlichtungsversuch und als Instrument während eines Verfahrens vorgesehen. Darüber berichtete am 14.6.2007 die NZZ. Der Gesetzesvorschlag befindet sich weiter in der Diskussion; das Reformgesetz  soll im Jahre 2010 in Kraft treten.

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Verfasst von: Christoph Stroyer | Juni 14, 2007

Neues Verhandlungs-Blog online

Nachdem es in der stagnierenden deutschen ADR-Blogosphere nach der Ankündigung des ersten Blogs eines Mediationsverbandes etwas ruhig geworden ist, bin ich jetzt auf das Verhandlungs- und Coaching-Blog von Jörg Schneider aufmerksam geworden. Einer seiner Themenschwerpunkte betrifft auch die Konfliktlösung. Unter diesem Stichwort findet sich vom heutigen Tage ein Beitrag zur Mediation. U.a. heisst es darin:

  • Manche Menschen tendieren von ihrem Persönlichkeitsprofil dazu, sofort in die Angriffshaltung zu gehen.
  • Die meisten Menschen wollen UNBEDINGT RECHT BEHALTEN – koste es, was es wolle. Und dies auch in Situationen, in denen jeder externe Experte jede Hoffnung auf Erfolg negieren würde.
  • Die meisten Menschen sind schlecht bis gar nicht in der Kunst der Verhandlung
    geschult, haben noch wenig oder keine positiven Verhandlungsergebnisse
    erlebt und können sich ergo nicht wirklich vorstellen, wie durch das
    reine Gespräch eine konkrete Konfliktsituation zu beiderseitigem
    Vorteil gelöst werden könnte.

Ich kann dem Autor nur zustimmen. Konflikte eskalieren in der Regel, weil die betroffenen Parteien ihre eigenen Interessen vor lauter Positionen nicht sehen. Die Mediation als verhandlungsorientiertes Konfliktlösungsmodell hilft hier bei der Übersetzung. Ich habe sogleich den Newsfeed abonniert und bin gespannt auf weitere Beiträge.

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Verfasst von: Christoph Stroyer | Juni 14, 2007

Mediationsverständnis

Im Rahmen des Masterstudienganges beschäftige ich mich mit dem Begriff der Mediation und dem Verständnis vom Mediationsverfahren in Deutschland. Insbesondere betrifft dies die Frage, ob es in Deutschland ähnlich wie in den USA unterschiedliche Mediationsansätze gibt. Nachfolgend finden Sie einige Gedanken dazu: Lies mehr…

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