Verfasst von: Christoph Stroyer | Juni 14, 2007

Mediationsverständnis

Im Rahmen des Masterstudienganges beschäftige ich mich mit dem Begriff der Mediation und dem Verständnis vom Mediationsverfahren in Deutschland. Insbesondere betrifft dies die Frage, ob es in Deutschland ähnlich wie in den USA unterschiedliche Mediationsansätze gibt. Nachfolgend finden Sie einige Gedanken dazu:

In Deutschland gibt es ähnlich wie in den USA verschiedene Auffassungen darüber, was genau unter dem Begriff Mediation zu verstehen ist. Als Beginn des modernen Verständnisses der Mediation in Deutschland gelten die Tagungen in den 80iger Jahren, in denen Alternativen zu Gerichtsverfahren dem interessierten Fachpublikum vorgestellt wurden [Duss-von Werdt (2005) Mediation in Europa, S. 68].  Strempel spricht von einer „Tagungsbewegung“, die dazu führte, dass die Mediation sich aus der Praxis heraus zu einem Verfahren zur eigenverantwortlichen und selbständigen Konfliktregelung durch die Konfliktparteien selbst entwickelt habe [Strempel (2006) Vom Sühne- und Güteverfahren zur Mediation, S. 48].

Als allgemeiner Konsens kann gelten, dass unter Mediation die Tätigkeit eines neutralen oder allparteilichen Drittens zur eigenverantwortlichen Lösung eines Konfliktes zwischen zwei oder mehreren Parteien unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und Interessen verstanden wird. In der Ausgestaltung und Gewichtung der einzelnen Begriffsmerkmale können die Meinungen auseinandergehen. So befürchtet Hehn, dass das wesentliche Merkmal der Selbstverantwortung der Konfliktparteien für ihren eigenen Konflikt zunehmend in den Hintergrund gerückt werde [Hehn (2006) Ursprünge der Mediation, S. 41].  Als Begründung führt er an, dass Mediatoren häufiger in Zusammenhang mit Schlichtern, Schiedsmännern oder Gutachtern genannt würden und die Mediation als Verfahren verstanden würde, in denen ein Sachverständiger die Konflikte der Beteiligten aufgrund eigener Sachkenntnis löst [Hehn (2006) Ursprünge der Mediation, S. 41].

Die unterschiedlichen Ansätze vom Verständnis der Mediation resultieren, wie in den USA auch, aus der Entwicklung der ADR-Bewegung. Anders als in den USA wurde man in Deutschland erst in den 90iger Jahren auf die Mediation aufmerksam. Möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass im Gegensatz zum amerikanischen Zivilprozess, der sich vor allem durch hohe Kosten und lange Dauer auszeichnet und dadurch einen weitaus höheren Druck zu Veränderungen ausübt, das deutsche Justizsystem im Vergleich wesentlich effizienter ist [Gottwald, FPR 2004, 163 (164)].  Grund für das unterschiedliche Verständnis von Mediation kann die für Deutschland typische Institutionalisierung der Mediation in Praxisfeldern sein [Gottwald, FPR 2004, 163 (164f.)].  Denn je nachdem, auf welchem Gebiet die Mediation Anwendung findet, verschieben sich die Determinanten der Definitionsmerkmale [Mähler/Mähler, NJW 1997, 1262 (1263)].

Mediation hat sich aus einem interdisziplinären Ansatz heraus entwickelt. Es gibt keine zB. rein juristische Mediationsmethode oder einen rein psychologischer Ansatz. Je nach Grundberuf kann das Verständnis von den Grundprinzipien und der Ausübung der Mediation variieren.

Mediationsverfahren können hinsichtlich ihrer Ziele inhaltlich unterschiedlich ausgestaltet sein. Sie können sich zum Beispiel auf die Vermittlung eines einfachen Kompromisses zwischen divergierenden Ansprüchen beschränken (verhandlungsorientierte Mediation) oder die Konfliktgeschichte umfassend aufarbeiten, in dem gegenseitige Verletzungen thematisiert und aufgearbeitet werden (transformative Mediation) [dazu Baruch Busch/Folger (2004) The Promise of Mediation].

Was meienn Sie dazu: Was versteht man in Deutschland unter dem Begriff Mediation. Sind Sie auch der Meinung, dass es hier unterschiedliche Ansätze gibt? Ich freue mich auf Ihre Meinung.


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