Im Nachgang zum Beitrag über Weblogs sein noch auf folgendes hingewiesen: In wenigen Jahren werden Blogs die statischen Webauftritte verdrängt haben. Zur Zeit sind Weblogs als externe Kommunikationsmittel bekannt und verbreitet. Anwendung finden diese Weblogs aber auch als interne Organisationsmittel zur Strukturierung von Teamaufgaben und Teamkommunikation.
Dies veranlasst mich darüber nachzudenken, ob in naher Zukunft Weblogs nicht auch als Werkzeuge zur Konfliktlösung anwendbar sein könnten. In der Mediation geht es um die strukturierte Kommunikation verschiedener Parteien unter Moderation eines allparteilichen Drittens. Warum nicht eine Mediation auf der Basis eines Weblogs? Natürlich nur mit restriktivem Passwordschutz zugänglich. Die hierarchische Anordnung eines Weblogs lässt jeden neuen Beitrag zu einem bestimmten Thema an erster Stelle erscheinen. Kommentarfunktionen ermöglichen die Interaktion zwischen den einzelnen Parteien. Jeder kann einen eigenen Beitrag verfassen und wird somit gehört. Die Verwendung von Kategorien und das „taggen“ eines jeden einzelnen Beitrags mit mehreren Schlagwörtern ermöglicht eine themen- und damit lösungsorientierte Bearbeitung des Konflikts. Jeder Beitrag kann vom Mediator unter Verwendung der Mediatorenwerkzeugkiste gespiegelt oder geframt werden.
Mit der Mediationsvereinbarung wäre dann der Zweck des Mediationsblogs erfüllt. Sämtliche Beiträge würden im Archiv aufbewahrt werden. Die Umsetzung der Mediationsvereinbarung könnte im Rahmen der Fortführung des Blogs vom Mediator weiter begleitet werden.
Mögliche Anwendungsgebiete wären:
- Team- und Mitarbeitermediationen
- Erbfolge- und Nachfolgemediationen
- gesellschaftsrechtliche Auseinandersetzungen
- Familienmediationen (insbes. Trennungs- und Scheidungsfolgenmediationen)
Nachteile:
- Beschränkung der Kommunikation auf schriftlichen Ausdruck
- technikbedingte Verzögerung der Intervention auf Verletzungen der Mediationsvereinbarungen
- Dokumentationen könnten später gegeneinander verwendet werden
Vorteile:
- Implementierung in größere Konfliktmanagementsysteme
- Beteiligung einer großen Anzahl von Personen (zB. bei größeren Projekten, wie Flughafenausbau)
- Beteiligung von technikaffinen Personen
- Mediationen auch über größere Distanzen möglich
- Dokumentation und allumfassende Informiertheit
So fernliegend ist der Einsatz von internetgestützten Kommunikationsmitteln auch für die Konfliktvermittlung nicht. Marcus Brinkmann vom ADR-Blog hat dies in seinem Beitrag zum Newsletter angedeutet: „Mit Blogs steht eine weitere Kommunikationsform zur Verfügung, mit der beispielsweise in Mehrparteienmediationen ein offener, gleichberechtigter Dialog geführt werden kann.“ Andere Mediatoren denken ebenfalls über den Einsatz von Weblogs oder Wikis zur Konfliktlösung nach.
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