Verfasst von: Christoph Stroyer | April 4, 2007

Geschichte der Mediation

Das letzte Semester meines Masterstudiums an der FernUniversität in Hagen hat begonnen. Dies wurde mir klar, als gestern die Skripten für das Modul VII „Konfliktordnungen im Umbruch“ eintrafen. In diesem Semester beschäftigen wir uns also mit den W-Fragen nach dem Woher („Ursprünge der Mediation„; „Entwicklung vom Sühne- und Güteverfahren zur Mediation“; „Vom Rechtsstaat in die Weltgesellschaft des Verhandelns“), nach dem Wie und Warum („Wirkungen von Mediation aus sozialpsychologischer Sicht“; “ Mediation und Demokratie“) und schließlich Wohin und Wo noch („Mediation in Europa“ und „Mediation in den USA“).

Es stellt sich vielleicht die Frage, warum man am Ende einer langen und intensiven Ausbildung zum Mediator noch einmal zurückkehrt zu den Ursprüngen der Mediation. Nun, dies kann mehrere Gründe haben: Die Beschäftigung mit der Geschichte der Mediation kann das Verständnis für die Mediationsgrundsätze erleichtern und wertvolle Hinweise für die Abgrenzung der Mediation zu anderen Formen der Konfliktregelung geben. Es hilft auch, die wichtisten Fragen der Organisation der Mediationsszene in Deutschland zu erkennen und zu diskutieren, denn die Verbände spielen eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des mediativen Gedankens in der deutschen Gesellschaft. Die Idee der Mediation ist schon mehrere Jahrhunderte alt und eben keine Erfindung der Neuzeit. Sich dies zu vergegenwärtigen kann bei der täglichen Berufsausübung sehr gewinnbringend sein.

In den nächsten Tagen werden die oben angesprochenen Fragen an dieser Stelle vertieft werden.

Update: Wie Marcus Brinkmann vom ADR-Blog ganz richtig anmerkt, war das Thema „Wurzeln“ der Mediation“ bereits Thema der letzten Ausgabe der Zeitschrift perspektive mediation. Die neueste Ausgabe beschäftigt sich übrigens mit der Frage der Organisation der Mediationsszene. Vielen Dank für den schnellen Hinweis!


Antworten

  1. In diesem Zusammenhang weise ich gerne nochmal auf das aktuelle Heft „Wurzeln der Mediation“ von perspektive mediation hin, dass an mehreren Stellen genau diese Fragen thematisiert.

  2. Herzlichen Dank für Ihren prompten Hinweis, den ich für ein kleines Update meines Beitrages genutzt habe. Ich war überrascht und sehr erfreut über die schnelle erste Reaktion. Die Geschichte der Mediation ist sicherlich ein Thema, dass viele Mediatoren beschäftigt oder zumindest interessiert. Ich freue mich auf weitere Hinweise und Kommentare!

  3. Bei Geschichte der Mediation fällt mir immer die Frage ein, warum erleidet ein so fortschrittliches Verfahren wie die Mediation im Laufe der Geschichte ein solches auf uns ab.
    Mediation hat jahrtausende alte Wurzeln (China, arabische, afrikanische und europäische Kulturen) und in verschiedenen Epochen (Solon, innenpolitischer Vermittler in Griechenland, Contarini, Westfälischer Frieden) erlebte Mediation eine Hochzeit.

    Zur Vorbereitung eines Vortrages kam ich dann zu der Frage, ob diese Errungenschaften abhanden gekommen sind.
    Hintergrund war, dass etwa im Brockhaus von 1932 (15. A.) und 1955 (16. A.) Mediation noch mit 13 Zeilen und Beispielen beschrieben war. In der 17. Auflage (1971)war nur noch kurze Definition enthalten. In der 18. A. (1979) tauchte der Begriff gar nicht mehr auf. Erst 1991 in der 19. Auflage wurde Mediation wieder mit 3 Zeilen erwähnt.

    Passt Mediation nicht in die Zeit? Streiten die Menschen lieber um ihr Recht? Oder wird die Mediation falsch oder unzureichend artikuliert und angeboten?

    Ich bin mir nicht ganz sicher bei der Beantwortung dieser Fragen und vielleicht ergibt sich ja eine spannende Diskussion ;-)

  4. Hallo Jan,
    vielen Dank für Deinen interessanten Hinweis! Vom Textumfang in populären Nachlagewerken können sicherlich Rückschlüsse auf den Stellenwert von Themen in der gesellschaftlichen Diskussion gezogen werden. Mich würde interessieren, an welchen Anwendungsgebieten sich in der jeweiligen Zeitepoche die Beispiele für Mediation orientierten. Geht es um politische Konflikte, so kommt die Mediation eher zur Anwendung (siehe nur die von Dir genannten Beispiele sowie den aktuellen Konflikt im Iran und der Ruf nach Vermittlung). Geht es um zwischenmenschliche oder zwischenbetriebliche Konflikte, ist die Mediation (noch) nicht die erste Wahl. Dies ist u.U. aber keine Frage der historischen Entwicklung, sondern eher eine Frage der sozialenpsychologischer Sicht. Es sei denn, in der Vergangenheit wurden wie selbstverständlich auch „alltägliche“ Konflikte mediiert.

  5. [...] under Zukunft , Ausbildung , Geschichte , Mediation  Der erste Teil der Serie über “Konfliktordnungen im Umbruch” beschäftigt sich mit der Frage nach den Ursprüngen der Mediation. Hierzu hat Marcus Hehn [...]


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